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Gehirnjogging in der modernde. Was mir so nebenbei auffällt.

Die meisten psychischen Probleme in unserer Gesellschaft werden dadurch verursacht, dass irgendein anderer von uns etwas will. Der Mensch an sich wäre das Gesündeste was es gibt wenn die Gesellschaft nicht so bequem wäre. Also wird es Zeit die grauen Zellen zwischen den Ohren etwas anzustrengen.

Bringen wir Licht ins Dunkel.

Deindividuation und der Verlust der Verantwortlichkeit

Festinger, Pepitone und Newcomb prägten den Begriff 1952, später ausgearbeitet von Zimbardo: In der Gruppe sinkt die Selbstaufmerksamkeit, die Anonymität steigt, und damit auch die Bereitschaft zu Handlungen, die man allein nie täte. Zimbardos Stanford-Prison-Experiment ist der Klassiker dazu, methodisch inzwischen stark kritisiert, aber das Grundphänomen wurde seither robuster repliziert – etwa in Diener (1980) oder neueren SIDE-Modell-Studien (Reicher, Spears, Postmes), die zeigen: Deindividuation führt nicht zu Chaos, sondern zu erhöhter Konformität mit lokalen Gruppennormen. Genau das erklärt, warum Gruppen „über das Ziel hinausschießen“ – die Norm der Gruppe selbst radikalisiert sich im Prozess.

Diffusion of Responsibility / Bystander-Effekt

Darley und Latané (1968) – das Feigheitsmoment lässt sich hier präzise fassen: Je mehr Menschen anwesend sind, desto geringer die individuell empfundene Verantwortung einzugreifen. Das ist kein moralisches Versagen im klassischen Sinn, sondern ein sozialpsychologisch vorhersagbarer Mechanismus. Für dein Buchprojekt ist das relevant, weil es die „Banalität“-These stützt: Nicht böser Wille verhindert das Eingreifen, sondern eine strukturelle Verteilung der Verantwortung, die niemanden mehr wirklich trifft.

Moral Disengagement

Banduras Konzept (1999) beschreibt die kognitiven Mechanismen, mit denen Einzelne sich von der moralischen Bewertung eigenen Handelns entkoppeln – Verantwortungsdiffusion, Dehumanisierung des Opfers, Verharmlosung der Folgen, vorteilhafter Vergleich („die anderen sind schlimmer“). Das ist im Grunde die psychologische Mikro-Ebene dessen, was Arendt strukturell beschreibt.

Mobbingforschung

Leymann (1990er) hat den Begriff im deutschsprachigen Raum systematisiert und Mobbing als Prozess mit Eskalationsphasen beschrieben – wichtig für die „Überschießen“-These: Mobbing hat typischerweise keine stabile Zielintensität, sondern eine Eigendynamik, die sich selbst hochschaukelt, oft losgelöst vom ursprünglichen Anlass. Das deckt sich mit Konflikteskalationsmodellen (Glasl), die neun Eskalationsstufen beschreiben, an deren Ende die Vernichtung des Gegners wichtiger wird als der ursprüngliche Sachkonflikt – der Sachkonflikt wird zur Nebensache, die Masse verselbständigt sich gegenüber ihrem eigenen Anlass.

Gruppenpolarisierung

Stoner (1961), später Moscovici und Zavalloni (1969): Gruppen treffen tendenziell extremere Entscheidungen als der Durchschnitt ihrer Mitglieder allein treffen würde – das „Risky Shift“-Phänomen und sein Gegenstück, die „Cautious Shift“-Variante, sind empirisch gut abgesichert. Das ist vermutlich der direkteste wissenschaftliche Beleg für „Mengen schießen über das Ziel hinaus“: Die Gruppendiskussion selbst radikalisiert die Position.

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