Hannah Arendts Totalitarismustheorie zählt zu den bedeutendsten Beiträgen der politischen Theorie und Historiografie – ein Werk von verstörender Aktualität, das grundlegende Fragen nach Verantwortung im politischen Handeln aufwirft. In drei Teilen – Antisemitismus, Imperialismus und Totalitarismus – analysiert Hannah Arendt die historischen Entwicklungen, die die Entstehung und Funktionsweise totalitärer Herrschaftssysteme im nationalsozialistischen Deutschland und in der stalinistischen Sowjetunion ermöglichten. Dabei zeigt sie, wie totalitäre Bewegungen das Individuum im Kollektiv auflösen und individuelle Verantwortung systematisch zum Verschwinden bringen – eine Analyse, die bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit verloren hat.



Das Buch avancierte binnen kurzer Zeit zum Standardwerk der noch jungen Totalitarismusforschung. Es erschien 1951 zunächst auf Englisch; 1955 folgte eine von Hannah Arendt selbst verfasste deutsche Fassung. In der englischsprachigen Neuauflage von 1958 ersetzte sie die »Concluding Remarks« durch das neue Kapitel »Ideology and Terror« und ergänzte einen Epilog zur Ungarischen Revolution von 1956.
Band 5 der Kritischen Gesamtausgabe versammelt und kommentiert die Buchfassungen letzter Hand, teilweise ergänzt durch frühere Fassungen, sowie sämtliche Aufsätze, Rezensionen, Vortragstexte, Exposés und Typoskripte aus dem Nachlass, die in engem Zusammenhang mit dem Werk stehen. Diese Ausgabe erlaubt es erstmals, Arendts Hauptwerk in seiner Entstehung nachzuvollziehen, es im Kontext ihrer Schriften der 1930er- bis 1950er-Jahre zu verorten und ihre Auseinandersetzung mit kollektiver Entmündigung und der Zerstörung politischer Verantwortung historisch neu zu bewerten.
